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#009 - Warum wir tun, was wir tun

geschrieben am 10.06.2017
Motivation spielt sicher eine gigantische Rolle im Leben eines jeden Menschen. Wollen wir die Wohnung sauber halten, motiviert uns der Gedanke an Ordnung und Sauberkeit. Wollen wir uns das Rauchen abgewöhnen, motiviert uns der Gedanke an Gesundheit. Wollen wir in der Schule und im Beruf Erfolg haben, motiviert uns der Gedanke an den Abschluss, einen guten Verdienst, Anerkennung - oder aber Spaß. Und um letzteres soll sich dieser Post drehen.

"Verbau dir nicht die Zukunft!"
Betrachtet man die anfängliche Aufzählung, so stellt man unweigerlich fest, dass Spaß eine der wenigen Formen von Motivation ist, die kaum etwas mit Zukunft zu tun haben. Und Zukunft wiederum steht in direkter Verbindung mit dem tief in uns verankerten Streben nach Sicherheit. Schaut man sich unsere Gesellschaft an, wird man bemerken, dass fast alles, womit wir unseren Alltagsbaum schmücken, auf Sicherheiten und Risikominimierung beruht.

Sicher ist sicher, das ist klar. Und es ist klar, was klar ist: Nämlich, dass Sicherheit ausbremst und uns davon abhält, das zu tun, was wir tief in unserem Herzen wirklich tun wollen. Meistens ist das: Spaß haben. Wieso ist das so?

Informationsverarbeitung
Die Antwort liegt in der Natur des Menschen und ist tief in unserer Kultur verankert. Es fängt damit an, dass Evolution nur dann funktionieren kann, wenn ein Lebewesen dazu fähig ist, Artgenossen auszusortieren. Andersartigkeit erregt naturgemäß Aufmerksamkeit und wenn sie nicht abstoßend wirkt und Distanz schafft, wird sie im besten Falle als interessant empfunden.

Ist in einem Menschen nun das Interesse für einen anderen Menschen geweckt worden, so beginnt unterbewusst eine Art Assoziierungsphase, in welcher verschiedene Erfahrungen und gesammeltes Wissen mit dem Gegenüber verknüpft werden, um diese Person zu “verstehen”. Das Ergebnis dieser Phase ist jedoch nicht Verständnis, sondern es sind Vorurteile. Vorurteile sind böse!

Denn Vorurteile übernehmen einen großen Teil des ersten Eindrucks (welcher bekanntlich am wichtigsten ist) und erschweren es dem Gegenüber, sich korrekt darzustellen, falls es überhaupt zu einer kommunikativen Auseinandersetzung kommt. Was einmal im Speicher des menschlichen Gehirns ist, kann nur mit Geduld wieder revidiert werden.

Wieso assoziieren wir überhaupt?
Unser Gehirn wäre ohne Mutmaßungen und Schätzungen aufgrund der unglaublichen Menge an eingehenden Sinnesinformationen vollkommen überfordert. Eine Assoziation ist sicherlich nicht viel anders als eine Variable in der Mathematik: Ein Platzhalter, der Operationen zulässt, ohne sich daran aufzuhängen, was der Wert der unbekannten Zahl ist. Mit dem Unbekannten umzugehen, muss man lernen - denn im Normalfall verunsichert es uns, es beraubt uns der Sicherheit, die wir ja so dringend benötigen. Doch selbst wenn wir gelernt haben, damit umzugehen, wird unser Bewusstsein natürlich niemals etwas Unbekanntes fassen können.

Ich bin der Meinung, dass man dieses unheimliche Unbekannte mit schierem Spaß gleichsetzen kann. Dazu muss man sich lediglich gelegentlich in die Rolle eines Entdeckers versetzen und es sich zur Aufgabe machen, das Unbekannte zu besiegen. Und das führt dazu, Sicherheit nicht mehr als das einzig wahre Lebenselixier zu betrachten.

Sicherheit ist Motivation
Erinnern wir uns an den Artikelanfang zurück: Wir brauchen die Sicherheit, um uns für das alltägliche Leben zu motivieren. Geschätzte 90% der Gesellschaft beruht auf Sicherheiten: Ein sicherer Job, eine feste Partnerschaft, ein vertrautes Zuhause, im geringsten Falle einfach der gesicherte Lebensunterhalt. Fällt Sicherheit weg, so bricht eine Gesellschaft zusammen. Sie baut eben schlichtweg darauf auf. Doch es gibt da ja noch diese andere seltsame Form der Motivation... Echt schwer, da eine Brücke zu schlagen... ;)

Die Suche nach dem persönlichen Glück
Matilde führt ein durchschnittliches Leben. Eine gescheiterte Ehe, zwei Kinder, eins davon ist aus dem Haus; sie besitzt ein Auto, einen sicheren Arbeitsplatz und jeden Tag ein bisschen Zeit für sich und die Kinder. Es geht ihr gut.

Dann gewinnt sie im Lotto und von heute auf morgen stehen ihr alle Türen offen. Sie muss nicht mehr arbeiten, kann viel mehr Zeit in die Erziehung ihrer Sprösslinge stecken, sich sogar einen Hund zulegen, Sport treiben, in Urlaub fahren, chillen, ausgehen und neue Männer treffen, sich neu verlieben, Sex haben, wieder heiraten. Es geht ihr gut.


Die Frage, ob es einem gut geht, ist immer an Lebensumstände geknüpft. Natürlich geht es uns gut, wenn wir in der Resignation beharren, dass das Leben nicht mehr als Arbeit und Sicherheit zu bieten haben könnte, und akzeptieren, dass Urlaub nur eine Auszeit vom Alltag sein muss. Jeder braucht Arbeit. Jeder braucht eine Wohnung. Jeder braucht Markenprodukte. Jeder braucht Fleisch. Jeder braucht das neuste Auto. Jeder braucht eine Rentenversicherung…?

Du merkst es selbst: Das ist nicht so. Und doch macht genau dieses Phänomen den Geist einer Gesellschaft aus: Was der andere hat, brauche ich auch und wenn ich es nicht haben kann, blende ich den Gedanken daran aus und brauche plötzlich ganz andere Dinge. Wenn ich es nicht ausblenden kann, ergreift der Gedanke an Besitz besitz von mir und bringt mich zur Verzweiflung.

Verlässt man einmal das Gesellschaftsboot und folgt dessen Ankerkette entlang bis unter die Wasseroberfläche, wird man nicht mehr verstanden. Man ist andersartig, eine andere Gattung. Mit jedem Kettenglied steht eine weitere Erkenntnis zwischen der schuftenden Crew und dem Meerjungfraumann und letztere(r) wird über Minimalismus und Veganismus zu dem fest verhakten Anker einer Lebensweise kommen, in der Spaß mehr zählt als die Teilhabe an einer sicherheitsorientierten Gesellschaft; in der Tiere, egal ob Mensch oder Nicht-Mensch, gleichgestellt und mit Liebe und Respekt betrachtet werden; in der nicht jeder dem Besitz, der Anerkennung, dem Erfolg, der Ordnung und Sauberkeit nachrennt, sondern einem erfüllenden Lebensinhalt, der nicht nur die Umwelt bereinigt, sondern auch den eigenen Körper.

Warum wir tun, was wir tun? Weil wir es vorgelebt bekommen.


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