DutPoet - Blog

BLOG

001 002 003 004 005 006 007 008 009

#004 - Ein Leben ohne WLAN

geschrieben am 11.11.2015
Nur eine kostenlose 100MB-Flat für’s Smartphone und kein WLAN, bedingt durch die eigene Wohnsituation - diesen Fall konnte ich in der vergangenen Zeit öfter erleben und möchte jetzt einmal meine Erfahrungen als ein Social-Media-Mensch festhalten.

Ich kannte diese Situation bis vor kurzer Zeit eigentlich nur aus den Jahre zurückliegenden Familienurlauben. Man hat schönes Wetter, eine heimatfremde Umgebung, eine andere Kultur, eine andere Sprache und das weite Meer um sich herum, aber für zwei bis drei Wochen absolut keinen Internetzugang.

Und das war für mich keineswegs ein Problem, selbst, wenn ich ein paar YouTube-Videos verpasste.

Aber was, wenn man mitten in der Aufbauphase des eigenen Channels steckt, ein Album aufnehmen und Livestreams starten will? Wenn das häusliche Internet auch den Azubi-Workflow vereinfachen würde und über die langweilige Stille einer fremden Stadt in den kalten Jahreszeiten hinweg helfen könnte?

Ich habe das Glück im Unglück: Ab und zu komme ich nach Hause zu meiner Familie und kann dort zumindest einen Teil der Videos auf YouTube ansehen, die ich schon lange sehen wollte. Vor allem das geniale Let’s Play von Life is Strange bei Gronkh.

Aber ich bin ein absoluter Internetmensch. Ich habe in den letzten Jahren nur wenige Male den TV eingeschaltet. Ich liebe YouTube, Netflix, Twitch, Instagram, Onlinegames und… habe ich eigentlich schon YouTube erwähnt? Außerdem laufen die meisten meiner Finanzen über Onlinebanking. Ich weiß überhaupt nicht, wie man eine Überweisung per Papier tätigt. Ich habe einen YouTube-Kanal, eine Website, Facebook-Seite, Instagram-Account, und und und. Das Internet war bisher wesentlicher Bestandteil meines Lebens.

Was ich erst in dieser nahezu internetlosen Zeit für mich entdeckt habe, ist tatsächlich Twitter. Ich habe schon lange einen Account dort, aber habe es nie wirklich genutzt. Nachdem ich festgestellt habe, dass dies die einzige App ist, die mich up2date mit der Netzwelt halten kann und gleichzeitig mobil überall ohne Probleme funktioniert (mit Ausnahme des Ladens der größeren Bilder), wurde Twitter mein neues Informationsmedium für die unwichtigeren Dinge des Lebens. Wirkliche News erhalte ich zu Genüge über das Radio auf der Arbeit und bei den Autofahrten durch ganz Deutschland, die zu einem wesentlichen Bestandteil meiner Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik gehören.

Was mich wirklich richtig genervt hat, sind eigentlich nur zwei Dinge:

1. Die freie Informationsbeschaffung.
Wenn du zuhause kein Internet hast, kannst du nicht mal eben über ein Thema recherchieren, das dich gerade brennend interessiert. Einige Male musste ich Freunde über WhatsApp fragen, ob sie mir mal etwas googlen und Screenshots davon schicken könnten. Auch bei gedrosseltem Mobilfunknetz kann man diese Bilder nach einiger Wartezeit empfangen.
Neue Songs über Ultimate-Guitar.com zu lernen, ist übrigens ein nerviges Unterfangen, weil man erstmal eine gute Version der Chords/Tabs suchen muss, bevor man anfangen kannst. Und bis man das geschafft hat, ist einem fast schon die Lust daran vergangen. Beziehungsweise brauche ich oft das Original, um ihn lernen zu können - YouTube kann man natürlich nicht mal ansatzweise benutzen.
Es muss jedoch nicht einmal der Browser sein, der einem das Leben erschwert. Manchmal funktioniert die Bahn-App nicht und wenn man nicht gerade über den besten Anschluss verfügt und einfach in Kauf nehmen kann, beim blinden Loslaufen höchstens 30 Minuten am Bahnhof warten zu müssen, kann das wirklich viel Zeit kosten - vor allem, wenn einen 20 Minuten Fußweg vom Bahnhof trennen und man Gepäck dabei hat.

2. Spontane Erledigungen des Alltags und Azubikram.
Dazu zählt vor allem Onlinebanking. Gerade, wenn man einen Job (in meinem Fall eine Ausbildung) hat, bei der man sehr lange Arbeitszeiten hat, die 90 Prozent des Jahres auch sehr oft eine 48h-Woche weit überschreiten können und wie ich in einem Wohnheim mit Rezeptionszeiten wohnt, fangen die Probleme schon bei der Zahlung der Miete an. Bar geht nur selten, wenn man tatsächlich schon da ist, während die Rezeption geöffnet hat, online ist nur mit WLAN möglich und wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wie man eine normale Überweisung tätigt und geschweige denn: In meiner Umgebung gibt es keine Filiale meiner Bank.
Außerdem brauche ich für meine Ausbildung sehr oft Informationen aus dem Netz oder den Zugriff auf unsere Drive-Tabellen, damit ich mein Berichtsheft schreiben kann. Ich würde mich auch gerne zuhause näher über einige Dinge informieren, weil mich die Veranstaltungstechnik wirklich sehr interessiert. Wenn ich dann mal bei meiner Familie oder in einem Hotel bin, habe ich darauf ehrlich gesagt keine Lust. Dann möchte ich Freizeit, beziehungsweise Schlaf. Meistens kann ich noch kurz Instagram checken und ein bis zwei Videos schauen und nutze meine Zeit ansonsten lieber mit Freunden und der Familie.

Langweilig ist es mir trotzdem nicht sehr oft. Ich habe meine Musik. Mein E-Piano, meine Gitarre und natürlich die Alben auf meinen Computern. Ich kann auch mal eine Folge Minecraft aufnehmen, wenngleich ich gerne auf die neuste Version updaten oder mit Freunden zocken können würde. Sogar das Telefonieren habe ich für mich entdeckt, so einmal die Woche am Abend. Glücklicherweise habe ich dafür eine Flat, denn einen Festnetz-Anschluss halte ich für unsinnig.

Ich besitze natürlich immer noch keinen Fernseher, selbst wenn ein Anschluss dafür liegen würde. Außer Arte und die Simpsons würde ich sowieso kaum etwas freiwillig ansehen.

Ob es gute Seiten hat, kein heimisches WLAN nutzen zu können?

Nein.

Das Internet erleichtert mein Leben, unterhält mich, informiert, verbindet. Ich verstehe Menschen nicht, die behaupten, es sei schlecht, von diesem Medium abhängig zu sein. Denn es ist eine Bereicherung für den Alltag. Wenn ich tatsächlich zu denjenigen gehören würde, die noch regelmäßig ihren TV-Anschluss nutzen, wenn ich nicht spontan irgendein Lied lernen wollen würde, ohne auf eine vorgegebene Auswahl von Songs in einem teuren Akkordbuch beschränkt zu sein, wenn ich nicht gewohnt wäre, Zugriff auf die größte Sammlung an Wissen und Information zu haben, wenn ich keinen YouTube-Kanal und keine Pläne für die Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes im Internet hätte, also kurz gesagt: Wenn ich vor 40 Jahren geboren wäre und kein Internet kennen würde, dann hätte ich kein Problem damit, kein WLAN zu besitzen.
Das Internet ist nicht mein Leben, aber es ist ein fester und wichtiger Bestandteil desselben. Und das ist mein eindeutiges Fazit.
Deinen Senf abgeben? - Kommentiere auf Facebook oder schreib mir 'ne Mail!