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#006 - Chaos und Tod: Mein Jahr 2015

geschrieben am 15.01.2016
Ich bin etwas spät damit, eine kleine Jahresrückblende zu verfassen, aber ich möchte es trotzdem tun. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, diesen Text zu schreiben, bis.. naja, bis jemand am 31.12.15 zu mir meinte, dass ich letztes Silvester noch gelbe Haare gehabt hätte und mir schlagartig bewusst wurde, was alles in diesem einen Jahr, im Jahr 2015, passiert ist.

Ich hab die Haare schön, ich hab die - lassen wird das.
Die Zeit, die ich nun schon auf Haartönungen verzichte, kommt mir ewig lange vor. Ich vermisse die bunten Haare. Das mag der eine oder andere nicht so sehen, aber ich weiß, dass sie zu mir gepasst haben. Wenn nicht zu meinem Äußeren, dann zu meinem Inneren. Ich bin nun erst etwa sechs Monate auf Entzug und es kommt mir vor wie mehrere Jahre. Doch man spart, wo man kann - und Blondierungen sind teuer.

Für Bewerbungsfotos hatte ich schon einmal zur braunen Tönung gegriffen (man will ja nicht gleich in eine Schublade gesteckt werden). Lange hielt ich es so nicht aus. Bis ich Mitte des Jahres knapp bei Kasse war, lief ich wieder bunt über die Straßen. Dann trimmte ich alles radikal auf fünf Millimeter und werde seither öfter gefragt, ob ich rechts-orientiert sei. Verständlich. Oder so.

Es ist günstig und praktisch, aber lässt kaum Freiheit zum Experiementieren und Neuerfinden. Was mir bleibt, ist mein Bart, der leider nicht dicht genug ist, um coole Muster reinzuschnitzen. Sonst hätte ich das schon längst getan! :D Okay, ich denke, wir haben lange genug über abgestorbene Körperzellen geredet.

Planlos mit Plan
Seit August ’14 war ich im Tierheim als Bundesfreiwilligendienstleistender (kz. "Bufdi") beschäftigt. Ein Kapitel meines Lebens, in dem ich sehr viel gelernt habe. Sehr viel über schlechte Arbeitsverhältnisse (und Vorgesetzte), den schmalen Grad zwischen "helfen" und "ausbeuten lassen", aber natürlich auch einiges über Hunde, das Anlernen von Praktikanten, den Umgang mit Menschen. Und sehr viel über mich selbst.

Ich habe das Jahr quasi nach dem elften Monat abgebrochen, im Juli ’15. Aber diesem Thema möchte ich in der Zukunft noch einen eigenen Blogpost widmen.

Jedenfalls war ich schon seit Dezember ’14 auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Ich wollte als Mediengestalter im Bereich Bild + Ton Kenntnisse erwerben, die mir in meiner YouTube-Karriere bestimmt enorm geholfen hätten. Doch obwohl ich deutschlandweit gesucht und im Laufe der Zeit an über 25 Betriebe eine Bewerbung verschickt habe, ist dabei nur ein folgenloses Bewerbungsgespräch herausgekommen.

Ausbildung macht Spaß!
Deshalb ging ich zum zweiten Mal zur Berufsberatung zur Arge, lies mich ermuntern, wie qualifiziert ich doch wäre und bekam dann weitere Vorschläge. Einer davon hat mich nur deshalb vorher nicht angesprochen, weil ich nichts davon wusste: Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Die Vorstellung, auf Konzerte zu kommen, Shows live zu sehen, Künstlern näher zu kommen und dabei richtig gefordert zu werden, hat mich direkt von diesem Beruf überzeugt. Also bewarb ich mich um die letzten offenen Stellen als Mediengestalter und legte mein Hauptaugenmerk auf die Veranstaltungstechnik.

Und obwohl ich Erfolg hatte und nun seit September in einem wirklich guten Betrieb ausgebildet werde, in dem ich Verantwortung übertragen bekomme, gefordert werde, jeden Tag einiges dazulerne und zum Glück nebenbei auch noch sehr viel Autofahren darf, trotz eines super Arbeitsumfeldes und obwohl ich dort wirklich sehr glücklich bin, ist es nicht genau das, was ich mir unter dem Beruf vorgestellt habe.

Überraschenderweise ist das überhaupt nicht schlimm, denn der Grund dafür ist, dass ich nicht wie üblich in einem Licht&Ton-Betrieb gelandet bin, sondern in einem, der sich um Video- und Medientechnik kümmert. Video- und Medientechnik? Richtig. Wir haben einen ausgebildeten Kameramann und Cutter bei uns, dem ich über die Schulter sehen kann, ich habe selbst schon während meines Probepraktikums McFitty filmen dürfen und ich hatte tatsächlich vergessen, wie film- und gerade kamerabegeistert ich einmal war. Der Zufall, der manchmal kaum noch als solcher zu erkennen ist, hat mich zu einem Betrieb - einer Art Familie - geführt, in der ich es sicher drei Jahre aushalten werde, bevor ich dann erstmal andere Pläne verfolgen möchte.

Die Einfachheit des Lebens
Ich wünsche mir schon ewig, endlich von Zuhause ausziehen zu können. Bei meiner Mutter und meiner Schwester fühle ich mich immer zuhause, gut aufgenommen, verstanden. Doch der Trieb nach Freiheit, nach Selbstständigkeit, nach neuen Herausforderungen, Veränderungen, nach einem neuen Lebensabschnitt.. dieser Trieb überwiegt schon lange.

Im Januar des letzten Jahres habe ich eines der interessantesten Mädchen kennengelernt, die ich wohl jemals kennenlernen werde. Dazu war sie hübsch, intelligent, sportlich, eine grandiose Köchin und ein Mensch, der wusste, was er will und wie er es bekommen kann. Wir haben uns über eine Datingseite kennengelernt und wurden recht bald gute Freunde, die über sehr vieles reden konnten. Nahezu alles.

So kam es, dass ich zwei Monate (Juni und Juli) bei ihr einzog. Eine Erfahrung, die unsere Freundschaft zuerst festigte und dann für ihr vorläufiges Ende sorgte. Man sollte wissen, dass ich über Probleme und Sorgen kaum mit meiner Familie spreche, um zu verstehen, weshalb es schön für mich war, jeden Abend noch ein bisschen plaudern zu können. Einfach als Freunde, ohne nervige Beziehungsmundbinden.

Ich ging zu der Zeit wieder regelmäßig mit meinem besten Freund trainieren und liebte es. Doch ich machte einmal etwas bei einer Übung falsch und seither bekomme ich aus dem Nacken heraus heftigste Kopfschmerzen, wenn ich mich körperlich zu sehr belaste. Ein Umstand, der den Besuch eines Fitnessstudios unmöglich macht.

Ich glaube, dass die Tage, die ich wegen der unbesiegbaren Kopfschmerzen zuhause bleiben musste, der Anfang des besagten Endes waren. Wenn man zu sehr aufeinandersitzt (da zu wenig Platz und somit Privatsphäre), kann das eine noch so gute Freundschaft zerstören. Ich bin unheimlich froh, dass wir mittlerweile wieder Kontakt haben, aber diese Freundschaft kann man (nicht zuletzt aufgrund der äußeren Umstände) nicht so schnell wieder herstellen. Wenn überhaupt.

Das ist ja richtig beschissen!
Nach Beendigung des BFDs habe ich den August wieder bei meiner Mutter verbracht. Ich hatte WLAN, Zeit, Freiraum und im Februar den Führerschein gemacht. Es war ein Monat, der aus Vlogs, Webdesign, Autofahren und Albumproduktion bestand. Ein Monat wie ich ihn nach der Ausbildung gerne zwölf mal im Jahr wiederholen würde. Nachdem ich mich beruflich abgesichert habe.

Ein kurzer Einschub: So öde meine bisherigen Vlogs auch waren, der Dreh hat wirklich Spaß gemacht - und das ist das einzige, das zählt. Mit dem neuen Design meiner Homepage bin ich ausreichend zufrieden. Bei meiner aktuellen Reichweite muss es nicht perfekt sein. Und über die Produktion von "Go" kann man in vorherigen Posts genug lesen. Kurz gesprochen: Es dauert noch.

Ab September habe ich in einem Wohnheim in Mannheim gewohnt. Wenn es der Beruf zuließ, verbrachte ich die Wochenenden allerdings in Kaiserslautern. Dort konnte ich meine Wäsche waschen und hatte Internet. Auch hierzu kann man in vorherigen Posts mehr erfahren, wenn man denn möchte.

Es war nicht schön im Wohnheim. Mit 290€ Warmmiete jedoch das günstigste, das man in Mannheim finden konnte - zum Vergleich: Dafür würde ich in Kaiserslautern schon ein Einzimmerappartement bekommen. Dafür, dass es sich "Jugendwohnheim" nannte und sogar zur Beherbergung von 16-Jährigen berechtigt war, wohnten dort eine beträchtliche Anzahl an Männern über 40. Und darunter war mindestens ein Schwein, das die Toiletten und die umliegenden Wände und Böden so ekelhaft verschiss, dass man sie nicht mehr benutzen konnte. Generell schien jeder zweite Bewohner auf meiner Etage Durchfall zu haben.

Natürlich ist das etwas übertrieben dargestellt, aber man kann diese Beschreibung stellvertretend für alle weiteren Gründe sehen, die mich zum Auszug bewegten. Da waren mir die 290€ für zwölf Quadratmeter und ein eigenes Waschbecken eindeutig zu viel Geld. Nachdem ich allerdings keine bezahlbare Alternative gefunden habe, bin ich Ende Dezember wieder nach Kaiserslautern gezogen und suche weiterhin nach einer neuen Bleibe.

Und damit bin ich am Ende meines Jahresrückblickes angekommen. Jetzt muss ich allerdings noch ein gutes Schlusswort finden. Mal sehen..

Fazit: So war das Jahr 2015
2015 war für mich ein bedeutsames, ereignis-, einfluss- und erkenntnisreiches Jahr. Über das Leben habe ich wahrscheinlich noch nie zuvor so viel in nur 52 Wochen gelernt. Ich habe mich wahrscheinlich sehr stark verändert, durch Erfahrungen, die oft zu treibenden Erkenntnissen führten. Ich habe neue Menschen kennengelernt und deren Ansichten zum Anlass genommen, meine eigene Weltanschauung immer wieder zu überdenken. Ich kenne die Welt besser als je zuvor. Doch ich kenne die Welt natürlich noch kein bisschen.

Wenn ich einen Vorsatz für 2016 formulieren müsste, würde ich sagen: Ich möchte daran arbeiten, einfach mein Leben zu leben, ohne mir Gedanken über Konsequenzen zu machen. Doch ich formuliere diesen Vorsatz nicht. Wenn kein Mensch mehr Respekt vor Konsequenzen wie rechtlicher Folgen hätte, versänken wir schon morgen in Chaos und Tod. Obwohl ich zugeben muss, dass auch dies bestimmt eine Erfahrung wäre, die (zumindest kurz) bleiben würde.

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