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#007 - Opa Sidneys Spartipps [Nr. 1]


»So sparst du dich reich!«

geschrieben am 21.03.2016
Ich bin 19, lebe eine Stunde von meiner Familie entfernt in der fremden Stadt Mannheim, wo ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolviere. Meine monatlichen Einnahmen belaufen sich auf unter 1000€. Obwohl ich in einer Zweier- WG lebe und sämtliche Lebenskosten selbst trage, kann ich monatlich über 350€ zur Seite legen - das sind mindestens 4.200€ im Jahr oder bei einer jährlichen Rendite von 7% durch Kapitalanlagen über 10 Jahre 60.229,35€.

Wie ich das mache, dabei trotzdem glücklich bin und Spaß am Leben habe, werde ich in einer Reihe ausführlicher Postings hier mit dir teilen. Doch zu Beginn dieses Guides erstmal ein paar Grundgedanken.


Unsere Gesellschaft
Hier in Deutschland leben wir in einer guten Welt. Wir haben alles, was wir brauchen und noch viel mehr. Das gilt für jeden, der dazu imstande ist, gerade auf dutpoet.com meinen Blog zu lesen. Wir leben im Überfluss, lassen Reste auf unseren Tellern, kaufen (sogenannte) Qualität und Markenprodukte, obwohl es Alternativen gibt, kaufen und fahren Autos, streben gute Wohnqualität an, schmeißen weg, was wir nicht brauchen, konvertieren Geld in Urin, weil wir es für Alkohol ausgeben, geben Geld aus, das wir nicht einmal besitzen (Kredite), treffen täglich Kaufentscheidungen, die uns kurzfristiges Vergnügen bereiten - wir kaufen und kaufen und kaufen und kaufen.

Sobald du dich bei nur einem einzigen dieser Dinge angesprochen gefühlt hast, gehörst du zur Zielgruppe dieser Blogreihe mit Opa Sidneys Spartipps. Ich zeige dir, weshalb ein neuer Ansatz in deinem Konsumverhalten einen dauerhaften Mehrwert für dich bieten kann - und das, ohne den damit einhergehenden Verlust eventueller Lebensfreude, welchen du aufgrund von Geldsorgen wahrscheinlich sowieso schon erfährst. Und eventuell wirst du verstehen, weshalb ich durch diese Lebensweise ganz sicher nicht bis zum 68. Lebensjahr arbeiten werden muss, sondern vielleicht schon mit 40 Jahren in Rente gehen kann, wenn ich es wollen würde.

Das Prinzip
»Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert.«

Diesen Satz habe ich zum ersten Mal von meinem damaligen Grundschullehrer gehört. Er bezog sich auf einen Freund, einen reichen Geizhals, wie ich es interpretierte, da er wohl nie Trinkgeld gab.

Aber man muss dieses Prinzip nicht so auslegen, dass andere zu Schaden kommen. Es geht mir um einen Lebensstil, bei dem man jeden Kauf und jede Masche, die dahintersteckt, hinterfragt und sich über die Langzeitauswirkungen bewusst wird. Es geht darum, kurzfristiges Vergnügen zu reduzieren, sodass man auf lange Sicht glücklich sein kann. Selbst, wenn die Inflationsrate für 2016 auf lediglich 0,8% geschätzt wird und damit unterhalb der höchsten Zinnsätze auf ein Sparkonto liegt, ist es für mich keine Option, auf eine kurzfristig halbwegs garantierte Rendite von 0,7% zurückzugreifen, wenn gut eingekaufte Aktien einen Gewinn von mehr als 7,0% (nach Steuern und Inflation) bieten können, sodass ich irgendwann von den Dividenden und Wertzuwächsen leben kann, also finanziell unabhängig bin und mein Leben genießen kann. Zumal es unüblich ist, dass die Inflationsrate in Deutschland unterhalb der Zinssätze auf Sparkonten liegt und es in wenigen Jahren mit Sicherheit wieder wie 2012 sein wird, als das Vermögen auf Sparkonten aufgrund einer Inflationsrate von 2,0% kontinuierlich an Wert verlor.

Ich spare schon, seit ich weiß, was Geld ist. Bereits als Kind habe ich mein Taschengeld von 0,50€/Woche (nach jedem Schuljahr um 50ct steigend) lieber zurückgelegt, um mir zum Beispiel ein ferngesteuertes Feuerwehrauto für 30€ leisten zu können, statt jede Woche in den kurzzeitigen Genuss eines Hubba Bubba-Kaugummis aus dem Supermarkt zu kommen, wie es meine Freunde handhabten. Ich habe es auch geschafft, mit einem Bufdi-Gehalt von 1,05€/Stunde* zu leben und während der Durchschnittsdeutsche über ein jährliches Einkommen von 35k** meckert, würde ich mich freuen, selbst ohne Azubi-Vergünstigungen jährlich noch über 25k sparen zu können, was bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren rund 370k wären. Um es einmal verständlich zu definieren: Das bedeutet, dass ich schon mit 29 ein Haus kaufen könnte, während der Durchschnittsdeutsche seines mit 60 noch nicht abbezahlt hat - obwohl er denselben Lohn erhält.

Wenn ich - wie viele Menschen - immer am Limit leben würde, weiß ich, dass ich heute auf meine Eltern angewiesen wäre, damit ich zum Beispiel die Kaution (vielleicht sogar die Miete) meiner neuen Wohnung zahlen könnte. Es dreht sich alles darum, die Auswirkungen eines jeden Einkaufs auf lange Sicht zu durchdenken. Generell zu denken.

Ein Beispiel: Man kann sich morgens zwei belegte Brötchen aus der Bäckerei holen und somit 3,00€ für ein Frühstück ausgeben, weil man das Müsli satt ist. Mittags statt dem günstigen und nicht so leckeren Kantinen-Essen für 2,00€ zur nahegelegenen Frittenbude gehen und sich für 5,50€ eine doppelte Currywurst mit Pommes kaufen. Abends Brot mit gutem Serrano-Schinken und leckerem Brie-Käse verspeisen und dafür ebenfalls zwischen 3,00€ und 5,00€ bezahlen.

Das scheint nicht viel, doch auf den Monat hochgerechnet, zusammen mit einem Restaurantbesuch mit der Freundin, bzw. dem Freund, und diversen Snacks, sind wir bei einer Summe zwischen 400€ und 500€. Würde ich so leben, wäre mein Monatsgehalt alleine durch Nahrungsmittel aufgebraucht. Doch ich komme auf eine monatliche Gesamtsumme von höchstens 90€ für Lebensmittel (tendenziell 70€, aber ich rechne grundsätzlich mit dem Maximum bei Ausgaben und Minimum bei Einnahmen).

Inspiration Herr Mustache
Der Blog von Mr. Money Mustache hat mich dazu inspiriert, meine Lebensweise in praktischen Tipps niederzuschreiben. Mr. Money Mustache richtet sich dabei an den amerikanischen Mittelstand und spricht davon, durch seine Sparsamkeit genug Geld so angelegt zu haben, dass er nun ohne zu arbeiten mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn vollkommen unabhängig von Finanzen leben kann. Die Familie schaffte das in nur zehn arbeitenden Jahren.

Ein Blick in den Blog lohnt sich, er ist amüsant und unterhaltsam geschrieben und man wird mit interessanten Zahlen und Fakten beworfen. In diese Richtung möchte ich allerdings nicht gehen. Ich möchte so viele wertvolle Tipps in so wenig Text wie möglich packen, damit du schnell und offensichtlich verstehst, warum und wie du es mir gleichtun kannst und solltest. Dieser erste Post wird der längste sein, also keine Sorge - du musst keine Romane mehr lesen, in denen ich dieselbe Sache so oft anders formuliere, bis ich das Gefühl habe, dich als Leser von meiner Lebensweise überzeugt zu haben.

Das erwartet dich in dieser Blogreihe
Im Grunde entspricht der Aufbau der Postings genau der Reihenfolge, in der ich selbst vorgehen würde, wenn ich mein Konsumverhalten von Grund auf umstellen würde. Wir gehen von der Vorbereitung über die besten Spartipps hin zu wertvollen Erfahrungen und zum Schluss widmen wir uns dann dem Anlegen des Geldes mit praktischen Beispielen. Alles in allem wird diese Reihe sechs weitere Blogposts beinhalten, die jeweils dann hochgeladen werden, wenn ich die Zeit finde, sie zu verfassen:

Nr. 2 - Getting Started I (Budgets, Haushaltsbuch)
Nr. 3 - Getting Started II (Verträge, kostenlos mit dem Handy online)
Nr. 4 - Einkauf und Ernährung (günstig und gleichzeitig gesund)
Nr. 5 - Verkehrsmittel und warum ich kein Auto besitze
Nr. 6 - Wohnen (Lage, Einrichtung,...)
Nr. 7 - Anlegen (Aktien, Gold oder... Bitcoins?)

Das solltest du immer im Hinterkopf haben:
Sparsamkeit ist eine Lebenseinstellung. Vielleicht fällt es schwer, sie zu erwerben, doch sobald man das geschafft hat, ist es unheimlich einfach, sie nicht mehr zu verlieren.


* Ich habe für elf Monate als Bundesfreiwilligendienstleistender (Bufdi) in einem Tierheim gearbeitet und dafür einen Monatsgehalt von 178,13€ kassiert - bei 40 Wochenstunden und ohne sonstige Zuschüsse wohlgemerkt.
**kurz für 35.000€


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